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zukunft e-Golf.

Der e-Golf steht in den Startlöchern – wir stellen ihn gleich auf eine harte Probe und lassen den rein elektrisch angetriebenen Golf von Wissenschaftern und Studierenden der TU Graz testen.

Text Guido Gluschitsch
Fotos Wolf-Dieter Grabner

Nicht an der Stromtankstelle, die alle Mitarbeiter und Studierenden der TU Graz kostenfrei benützen können, sondern direkt auf dem Campus, genau vor dem Haupteingang parken wir den e-Golf und beobachten, was passiert. An der TU Graz braucht man niemandem etwas vormachen, der e-Golf, der von außen nur an kleinen Applikationen wie der LED-Lichtsignatur oder der blauen Leiste am Kühler erkennbar ist, wird sofort enttarnt. Schnell scharen sich Studierende und Professoren um den e-Golf – und wer etwas Zeit hat, nimmt das Angebot zur Probefahrt gerne an. So wie Dipl.-Ing. Alexander Pointner vom Institute of Production, Science and Management. Es wird ein wenig dauern, bis wir ihn wiedersehen, denn er fährt rund 40 Kilometer vom Zentrum in Graz auf die Südsteirische Weinstraße – und wieder zurück. „Ich habe erst einmal den Spaßfaktor getestet und das Drehmoment voll ausgekostet“, gesteht er, „bevor mich der Effizienz-Ehrgeiz packte. Beides macht mir Spaß.“

Es sind zwei große Vorteile der E-Mobilität, die es Alexander Pointner gleich angetan haben. Das satte Drehmoment, das quasi vom Stand weg anliegt, und die Sparsamkeit des Antriebs, weil man im Schiebebetrieb, mit den vier Rekuperationsstufen im e-Golf, wieder einen Teil der zuvor eingesetzten Energie beim Bremsen zurück in die Akkus laden kann.

Ruhig, effizient und spritzig.

Wie sich herausstellt, fuhr Alexander Pointner noch viel mehr Kilometer mit dem Vorgänger, dem elektrifizierten Golf VI. „Der aktuelle e-Golf ist deutlich weiterentwickelt worden, er ist besser abgestimmt, er fährt ruhiger, ist effizienter und spritziger.“

 

Es sollte nicht die einzige Überraschung dieses Tests bleiben. „Ich schätze den e-Golf als Spitzenprodukt in der Klasse der E-Mobile ein“, sagt Dipl.- Ing. Dr. tech. Univ.-Doz. Mario Hirtz, Leiter der Forschungsgruppe für automative Mechatronik am Institut für Fahrzeugtechnik. „Wir testen laufend alle möglichen Fahrzeuge am Markt und haben daher ein weites Erfahrungsspektrum. Darum haben wir den e-Golf auch dort getestet, wo andere E-Antriebe ihre Schwächen haben, wie etwa beim Berganfahren aus dem Stand. Der e-Golf ist ein tadelloses Fahrzeug, sehr gut appliziert, sehr gut abgestimmt.“ „Mich hat die Qualität überzeugt, die noble Ausstattung“, stimmt sein Kollege Dipl.-Ing. Martin Ackerl, Gruppenleiter e-Mobility am Institut für Fahrzeugtechnik, ein: „Es gibt kein Quietschen, kein Knarren. Der Motorklang hat mir gar nicht gefehlt, ganz im Gegenteil, ich habe die Dämmung sehr geschätzt, weil mich so auch der Lärm der anderen Fahrzeuge nicht störte.“

Alexander Pointner fasziniert das Drehmoment des e-Golf, Christian Ramsauer (unten) die Idee, einen bekannten Wagen zu elektrifizieren und so den Menschen die Scheu davor zu nehmen.
Der e-Golf ist ein Spitzenprodukt in seiner Klasse, bestätigen Mario Hirtz und Martin Ackerl.

 » Der aktuelle e-Golf ist deutlich weiterentwickelt worden. Er fährt ruhiger, ist effizienter und spritziger. «

Die Sicherheitsstandards für E-Fahrzeuge sind sehr hoch, weiß Hermann Steffan, weshalb die Autos auch so sicher sind.

Die Geräuscharmut der E-Fahrzeuge, welche die meisten Menschen sehr schätzen, betrachten manche als Sicherheitsrisiko. Während der mehrtägigen Tests in Graz berichtete keiner der Techniker von derlei Problemen – viel mehr genossen alle den Komfort des leisen Fahrens in der sonst so lauten Stadt. Trotzdem fragen wir, wenn wir schon hier sind, bei einem Experten nach. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. tech. Hermann Steffan ist Leiter des Instituts für Fahrzeugsicherheit und meint: „Geräuschloses Fahren, das ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen – aber bei modernen Fahrzeugen kommt der größte Anteil des Geräuschs inzwischen von den Reifen und dem Luftwiderstand. Trotzdem brauchen wir eine Art Signalton, den man im Notfall dazuschalten kann. „Generell sind E-Fahrzeuge sehr sicher, weil die dahingehenden Standards sehr hoch sind. Zudem verweist Hermann Steffan auf Risiken bei konventionellen Autos, die „ja auch bis zu 100 Liter Benzin, die nicht ganz ungefährlich sind, mitführen.“ Wichtig ist es, bei Kollisionen zu verhindern, dass die Akkus verformt werden, „weshalb die meisten Hersteller die Batterien an eine Stelle setzen, wo Verformungen vermieden werden – geschützt von einer steifen Struktur“, zudem arbeiten viele Hersteller mit Assistenzsystemen daran, Kollisionen überhaupt zu vermeiden. Zusätzlich wird beim e-Golf bei einem Crash die Batterie sofort geöffnet und das komplette System spannungsfrei geschaltet. „Trotzdem gibt es hier noch viel Forschungspotenzial“, sagt Hermann Steffan.

Die Zukunft der Akkus

Dieses gibt es auch im Bereich der Akkutechnik. Dipl.-Ing. Florian Preishuber- Pflügl und Dipl.-Ing. Dominik Wohlmuth arbeiten am Institut für chemische Technologie von Materialien an ihrer Dissertation und forschen dabei über Festkörperbatterien, Festkörperelektrolyte und hochkapazitive Kathodenmaterialien. „Mit Festkörperelektrolyten werden Batterien sicherer, weil nichts mehr da ist, was brennen kann“, stimmt uns Dominik Wohlmuth auf die Zukunft ein. „Von den sehr sicheren Fluoridbatterien erwarten wir uns hohe Energiedichten und Spannungen“, erklärt Florian Preishuber-Pflügl, „aber sie brauchen noch länger, bis sie zur Anwendung kommen“, zudem sei vorerst ein Einsatz im mobilen Bereich nicht angedacht. Für die beiden Akkuspezialisten war der e-Golf das erste Elektroauto, mit dem sie gefahren sind. „Das Drehmoment vom Start weg ist richtig geil“, schwärmt Dominik Wohlmuth von den 270 Newtonmetern, die der 110 PS starke E-Motor an die Antriebsräder schickt. „Du setzt dich rein“, schwärmt Florian Preishuber-Pflügl, „und du merkst kaum, dass du in einem E-Auto sitzt, weil alles so vertraut ist. Er ist nur leiser und beschleunigt besser, zudem vermittelt er ein besseres Fahrfeeling. Tolles Auto – super Konzept!“

»Du merkst kaum, dass du in einem E-Auto sitzt, weil alles so vertraut ist.«

Florian Preishuber-Pflügl und Dominik Wohlmuth forschen schon heute an den Akkus von morgen
Außen wie innen wirkt er wie ein normaler Golf und fährt sich auch so. Nur eben leise, sparsam und besonders spritzig.

Der e-Golf in Zahlen

Stromverbrauch (kWh/100 km):
12,7 kombiniert
Praxisnahe Reichweite*:
ca. 130–190 km
Höchstgeschwindigkeit:
140 km/h
Beschleunigung, (0–100 km/h):

10,4 Sekunden
Leistung:

85 kW (115 PS) CO2-Emissionen, g/km: 0
Preis:

ab EUR 35.590,–

0,025 Euro pro Kilometer.

Das Vertraute ist es, aus Sicht von Univ.- Prof. Dipl.-Ing. Dr. tech. Christian Ramsauer, Professor für Industriebetriebslehre und Innovationsforschung, das den e-Golf zu einem Meilenstein macht: „Volkswagen hat den Vorteil genutzt, auf bestehende Konzepte aufzubauen und dem Kunden die E-Mobilität in einem vertrauten Umfeld verfügbar zu machen. Der e-Golf ist ein gewohntes Fahrzeug mit den bekannten Bedienelementen – nur der Antriebsstrang ist anders – und das ist ein großer Vorteil.“

 

Doch die E-Mobilität hat nicht nur viele Vorteile – Kritiker führen immer wieder Reichweitenprobleme und hohe Anschaffungskosten an. Mit einer Reichweite von bis zu 190 Kilometern mit einer Ladung rangiert der e-Golf im Spitzenfeld der aktuellen E-Fahrzeuge und kostet 35.590 Euro – und aufgrund seiner Effizienz fallen nur Kosten von 0,025 Euro pro Kilometer an. „Elektrofahrzeuge sind derzeit nicht überteuert“, ist Mario Hirtz überzeugt, „Das Problem ist, dass wir keine Erfahrungswerte über den Wiederverkaufswert haben, wenn das Auto fünf oder acht Jahre alt ist. Aber das ist ja nur eine Frage der Zeit. Denn dieses Auto kann Barrieren aufbrechen“, die Skepsis gegenüber der neuen Antriebsart besiegen. Warum? „Das leise und lokal abgasfreie Fahren ist ein riesiger Komfort, den ich nicht mehr missen möchte“, erklärt Alexander Pointner. „Es ist Zeit für die E-Mobilität“, schiebt er energisch nach – gerade in Österreich, einem Land, das durch die Wasserkraft einen sehr großen regenerativen Stromanteil hat.

e-Golf Antrieb

Innovative Technologie bei gewohnter Golf Qualität: Mit einem Verbrauch von 12,7 kWh (100 km) ist der e-Golf das sparsamste E-Auto seiner Klasse – und das bei einem konstanten Drehmoment von 270 Nm und einer Beschleunigung von 0 auf 60 km/h in 4,2 Sekunden.

e-Golf Komfort

Per Multifunktionsanzeige haben Sie die wichtigsten Verbrauchs- und Reichweite-Werte stets im Blick. Die Klimaanlage Climatronic (inklusive Frontscheibenheizung) ist serienmäßig. Optional gibt es diverse Fahrerassistenzsysteme wie Verkehrszeichenerkennung und Parklenkassistent.

e-Golf Design

Markante LED-Tagfahrleuchten in C-Signatur und der Voll-LED Scheinwerfer mit blauer e-Design-Linie sorgen für maximalen Wiederkennungswert – und zugleich für mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit. Gegenüber älteren Golf Modellen haben sie eine weit höhere Lichtausbeute bei weniger Energieverbrauch.