Volkswagen Magazin

BESSER LEBEN

küche, kunst und krempel.

Wir sind mit dem Scirocco nach Kärnten gefahren, zum Kleinsasserhof. Dort essen wir mit dem Papst, Prince und einem Astronauten das beste Lammfleisch der Region.

Text Guido Gluschitsch
Fotos Erich Reismann

Im Kamin knistert bereits ganz romantisch das Feuer – an diesem vielleicht letzten schönen Tag im Spätherbst. Draußen vor der Tür, da knistert der Scirocco. Hier, in der Umgebung von Spittal an der Drau, unweit des Millstätter-, aber auch des Weißensees, gibt es einige Straßen, die regelrecht nach einem Sport-Coupé wie dem Scirocco betteln. Wir ließen uns nicht lange bitten.

Papst trifft Prince.

Der Scirocco belohnte uns dafür mit Sportsitzen, 180 Turbo-PS und Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Ein echtes Glanzstück. Sorgsam haben die Designer das Sportcoupé überarbeitet. Gnadenlos hingegen haben die Techniker mehr Leistung aus den Motoren geholt. So war weniger die Anreise über die Autobahn – bei welcher der Scirocco seine GT-Eigenschaften und Langstreckentauglichkeit ganz leger demonstrierte – es waren vielmehr die letzten Kilometer von Oberamlach herauf zum Kleinsasserhof, die dem Scirocco nun dieses Knistern entlocken. Früh ans Gas, spät auf die Bremse, so macht der Scirocco halt am meisten Spaß. Und das scheint auch der Jungkoch des Kleinsasserhofs bereits zu wissen. Denn kaum parken wir den blütenweißen Sportler vor der kunterbunten Villa, steht er vor dem Scirocco, wie wir Sekunden später vor dem Astronauten – mit leicht geweiteten Augen, halboffenem Mund, überrascht und erfreut.

Der Scirocco in Zahlen

(unser Testfahrzeug)


Motorisierung: 132 kW (180 PS) TSI
Getriebe: 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Verbrauch (kombiniert): 6,4 l
CO₂-Emission in g/km (kombiniert): 148
Beschleunigung (von 0 auf 100):
7,4 sek
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Leergewicht: 1.387 kg
Abmessung:
Länge: 4.256 mm
Breite: 1.810 mm
Höhe: 1.406 mm
Kofferraum: 312 – 1.006 l
Auswahl der serienmäßigen
Highlights: LED-Rückleuchten, Sportlederlenkrad, Sportsitze, sportliche Zusatzinstrumente, 17-Zoll-Leichtmetallräder
Weitere Motorisierungen:
92 kW (125 PS) TSI
162 kW (220 PS) TSI
110 kW (150 PS) TDI
135 kW (184 PS) TDI
Scirocco R: 206 kW (280 PS)
Preis: ab EUR 28.650,–

Der Kleinsasserhof

Kleinsass 3, 9800 Spittal an der Drau
Tel.: +43/4762/2292
Fax.: +43/4762/2243
walli.josef@kleinsasserhof.at

Neues Design und sparsamere Motoren, die gleichzeitig mehr Leistung haben – der neue Scirocco lässt nur Esel kalt.
Das Lamm ist ein Gedicht. Dazu empfehlen die Gassers ihren Hauswein, der sogar das Logo des Kleinsasserhofs trägt.

Ja, ein Astronaut empfängt uns im Kleinsasserhof. Er wacht, auf der Treppe, die neben dem Kamin hinauf in die Zimmer führt, über das Kaminzimmer. Seine NASA-Rakete hat er auch dabei. „Eines Tages stand ein großer Container vor der Tür“, erzählt Walli Gasser, die gemeinsam mit ihrem Mann Josef den Kleinsasserhof führt. „Das gehört zu euch, das müsst ihr haben“, meinte ein Gast und übersiedelte seine NASA-Sammlung nach Kärnten. Der Kleinsasserhof ist eine Ansammlung von Kitsch und Kunst. Da hängen Krähenfüße von der Decke, dort verzierte Alf Poier die Wand rund um die Toilettentüren mit seiner Kami-Katze, im Speisesaal hängt die Discokugel neben religiösen Statuten. Hier trifft der Papst auf Prince, der Elch auf Elvis, Buddha auf Barock, Handwerkskunst auf Haubenküche.

Frische Knochen und Gault Millau.
Denn die meisten Gäste kommen nicht nur hierher, weil der Kleinsasserhof aussieht, wie er aussieht, sondern weil man hier herausragend gut essen kann. Josef bereitet die Fleischgerichte zu, Walli die Süßspeisen, und Sohn Ludwig, der in wenigen Jahren den Hof übernehmen wird, ist der Spezialist für die vegetarischen Speisen. Gastrokritiker übertrumpfen sich gegenseitig, wenn es darum geht, die Kochkunst der Familie Gasser zu loben. Gault Millau krönte diese sogar bereits mehrmals mit einer Haube. Dabei ist alles noch so bodenständig und herzlich, wie es mit der Tante Trude vor vielen Jahren angefangen hat.

Die Tante war es, die nach dem Krieg aus dem Bauernhof erst eine Buschenschank und dann ein Landgasthaus machte. 1986 kamen Walli und Josef auf den Hof und haben ihn dann 1991 vollständig übernommen. „Wir haben mit einem Hundehotel angefangen“, erinnert sich Walli. „Es gab jeden Tag einen frischen Knochen und eine Hundedusche und, und, und …“ Die Idee schlug ein. Bei den Gästen. Nicht bei den Gassers. Die konnten nicht so recht mit den „übertriebenen Hundebesitzern“, die sich untereinander nicht verstanden, wenn sich ihre Hunde nicht verstanden.

» Der Astronaut und die Rakete gehören zu uns, meinte ein Gast. «


Walli Gasser

Museum mit Haubenkantine.

Dann hatten sie die Idee einer Musikinsel – die sie aber auf der Stelle verwarfen, weil sie beim ersten Besuch einer Ziehharmonika-Gruppe weder im noch ums Haus einen ruhigen Platz finden konnten. „So, jetzt machen wir nur mehr das, was wir wollen, und geben weiter, was wir leben“, erklärt Walli die damalige Entscheidung, auf Kunst und Krempel zu setzen. „Kunst und Trödel haben uns schon immer interessiert. Ich hab die Sachen auch gerne weitergegeben – der Josef nicht.“ Durch Besuche auf Flohmärkten, Tauschgeschäfte mit Künstlern und die Geschenke vieler Gäste entstand so aus dem Kleinsasserhof ein Museum mit Haubenkantine. Oder Spitzengastronomie mit Zwischen-den-Gängen-Programm. Und während wir beim Gruß aus der Küche – von den selbst gemachten Aufstrichen, die Josef mit selbst gebackenem Schwarzbrot serviert, ist vor allem der Salbei-Aufstrich ein unglaublicher Genuss – liefern ein paar Steirer vor der Tür einen mannsgroßen Blasebalg ab. Ein Geschenk.

Da ziert der Fisch den Vorhang, das Hirschgeweih die Wand – und wer zwei gleiche Sessel findet, darf einen davon sicher gerne mitnehmen.

Um das schlechte Gewissen zu beruhigen, das seit fünf Jahren keimt, als einer von ihnen hier eine Bowlingkugel aus dem Museum erbettelte. Nach der Aufregung kommt das Lamm. Die Spezialität des Hauses. Obschon auch der Fisch hervorragend ist. Aber beim Lamm hat Josef die Möglichkeit, seine ganze Kunst auf den Teller zu zaubern. „Es ist
das eigene Lamm, das hier am Hof aufwächst, ganz schonend geschlachtet und sorgsam verarbeitet wird“, sagt der uns gegenüber etwas wortkarge, aber umso herzlichere Josef. Er ist der Komponist des Kleinsasserhofs – sowohl was die Küche als auch das, ja doch, nennen wir es Museum betrifft: „Alles hat seinen Platz, ergänzt sich, passt harmonisch zusammen.“ So gesehen, sollten wir den Scirocco öfter hier in der Gegend durch die Berge hetzen und dann vor der kunterbunten Villa parken. Es ist garantiert ein Treffen der besonderen Art.