Volkswagen Magazin

BESSER LEBEN

täglich käfer.

Autos mit Geschichte: Wolfgang Ankrisch und sein VW Käfer 1200. Gemeinsames Baujahr: 1958.

Text Markus Honsig
Fotos Erich Reismann

1958.

Wolfgang wird in Bruck an der Mur geboren, am 21. Mai 1958, als Sohn von Anton und Gertraud Ankrisch. Ein gesunder, junger, kräftiger Mann, rund 3,5 kg schwer, der in Kapfenberg aufwachsen wird, und 1972 in die HTL eintritt. Letzteres ist deshalb wichtig zu erwähnen, weil er im Zuge einer Projektarbeit an der Schule erstmals mit einem Boxermotor in Berührung kommt. Ein erster Keim ist gesetzt. Im selben Jahr, 1958, und nur wenige Tage nach Wolfgangs Geburt, am 12. Juni, wird in Wolfsburg ein Käfer mit der Identitätsnummer 1980764 produziert, ein für Österreich bestimmter Käfer: 1,2-l-Boxormotor, 30 PS, außen diamantgrau, innen mit Kunstleder in Lindbeige ausgestattet.

 

Aber soweit sind wir noch nicht. Noch liegen 47 Jahre und sieben Besitzer dazwischen, bis Wolfgang Ankrisch und Käfer 1980764 zusammenfinden werden.

Grüße aus der Vergangenheit: Als Motoren noch unter kleine Heckklappen passten und die Blinker noch winkten.

1945.

Die einmalige Erfolgsgeschichte des Käfers ist schon oft erzählt worden, deshalb an dieser Stelle nur kurz die wichtigsten Eckdaten. Die Serienproduktion begann nach dem Zweiten Weltkrieg im Dezember 1945 mit der so genannten Standardlimousine Typ 11, als Brezelkäfer mit dem vertikal geteilten Heckfenster bis heute unvergessen. Der luftgekühlte 1,2 Liter-Boxermotor leistete 24 PS und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 90 km/h. Ab 1947 beginnt der Export des Käfers, 1949 wird der erste Käfer nach Übersee verschifft und erhält dort erst jenen Namen, der ihn weltweit bekannt macht: Beetle, zu Deutsch Käfer.

2005.

Wolfgang Ankrisch entdeckte den Käfer auf dem Parkplatz eines Autohändlers. „Rarität“ steht auf dem Aushang, und: „Technisch gut fahrbereit.“ Der Pädagoge, der heute Jugendliche mit Einschränkungen beim Einstieg ins Berufsleben unterstützt und begleitet, beginnt zu überlegen. Zwei weitere Besuche und ein paar Preisverhandlungen später gehörte der Käfer ihm. „Auschlaggebend waren das Baujahr, wir sind ja fast am selben Tag geboren“, erinnert sich Ankrisch. „Und der Boxermotor im Heck, der mich seit meiner Schulzeit faszinierte.“

„Optische Mängel. Reparaturbedürftig“, stand da ebenfalls auf dem schon erwähnten Aushang. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Oldtimer-Besitzern: die Fahrer und die Schrauber. Wolfgang Ankrisch ist ein Fahrer, der zwar Schrauberwissen mitbringt, aber nicht konkret anwendet. Was die Generalsanierung des Käfers nicht günstiger machte: Der Wagen wurde komplett zerlegt, neu lackiert und wieder aufgebaut. Auch der Motor erhielt eine Generalüberholung. Und die Idee, ein Faltdach einschneiden zu lassen, dehnte den ursprünglich vorgesehenen Budgetrahmen auch noch etwas weiter aus. Faltdach, Gurte, Warnblinkanlage: Das sind die einzigen Teile an diesem Auto, die nicht original sind.

Apropos Blinker: Natürlich funktionieren auch die ursprünglichen Winker noch einwandfrei, so viel Authentizität muss schon sein. Laut Wertgutachten vom Dezember 2006 beträgt der Wert des Käfers 17.000 Euro. Was zwar die Investition nicht ganz hereinspielt: „Aber ich habe es keinen Tag bereut.“ Weil die tägliche Freude an diesem Auto ohnehin unbezahlbar ist. Und weil der Käfer bis heute problemlos läuft und läuft und läuft. Wie auf der ersten Ausfahrt, die natürlich auf den Großglockner führte.

2003.

Zwischendurch noch ein paar glamouröse Zahlen, die immer wieder erstaunlich zu lesen sind: Schon 1955 sind eine Million Käfer vom Band gelaufen, zehn Jahre später werden eine Million Käfer pro Jahr produziert. 1972 schließlich, als Wolfgang Ankrisch seine Liebe zum Boxermotor entdeckt, verlässt der 15.007.034ste Käfer das Werk in Wolfsburg. Eine historische Marke: Der Käfer ist damit das meistproduzierte Auto der Welt, übernimmt den Titel vom Ford T-Modell. Am Ende – der Käfer wird in Mexiko bis 2003 produziert (in Deutschland bis 1978) – werden es exakt 21.529.464 Käfer sein, die rund um die Welt hergestellt wurden.

VW Käfer, zugelassen am 24. Juni 1958. Gefahren von Wolfgang Ankrisch, geboren am 21. Mai 1958.

2014.

Er mag das Alte und Bewährte, erklärt Ankrisch, warum er so gerne Käfer fährt. Und Ankrisch, engagiertes Mitglied des Käferclubs Fürstenfeld, ist kein Sonntagsfahrer, sondern nutzt das alte Auto täglich für die Fahrt von Gleisdorf nach Graz in die Arbeit und wieder zurück. „Das Auto gehört bewegt.“ Nur im Winter gönnt er ihm einen Dauerparkplatz in der Garage. Was zwar einerseits schade ist, weil Käferfahren im Winter dank Heckantrieb und Heckmotor ein ganz besonderer Spaß ist. Andererseits will man dem Rost auch keine allzu billigen Angriffsflächen bieten. Der Wagen läuft wie ein Käfer, also ohne jede Art von unangenehmen Zwischenfällen. „Man muss eben den Fahrstil an die Technik anpassen“, meint Wolfgang Ankrisch, „das Spiel der Lenkung, die Leistung der Bremsen mit einbeziehen.“

Im fließenden Verkehr mitzuschwimmen sei mit den 30 Boxer-PS jedenfalls gar kein Problem, für das Beschleunigen sollte man ein wenig mehr Zeit einberechnen als man das vielleicht von modernen Autos gewohnt ist. Was er besonders mag an seinem Käfer? „Die Form, den Klang des Motors, das feine Lenkrad. Das greift sich einfach sehr angenehm an.“ Was er weniger mag? „Eigentlich gar nichts. Anfangs fand ich die Farbe nicht so toll. Aber inzwischen gefällt mir das Diamantgrau sehr gut, eine der ersten Metallicfarben. Tagsüber geht die Farbe ins Grüne, abends ins Graue.“

 

Wolfgang Ankrisch ist topfit, läuft Marathon, absolviert Triathlons und ist auch begeisterter Waffenradfahrer. Durchaus zu Recht fühlt er sich also jünger als er ist. „Wenn ich mit dem Käfer unterwegs bin, fühle ich mich eher ein bissl älter.“ „Ein gutes Gefühl“, fügt er noch hinzu. Gemeinsames Baujahr verbindet eben.

 Wanted!

Sie besitzen auch ein Auto mit Geschichte? Einen gepflegten Corrado, einen eleganten K70, einen sportlichen Scirocco älteren Baujahres? Melden Sie sich unter redaktion@volkswagen.at. Wir freuen uns über jede Nachricht.