Volkswagen Magazin

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Einmal Polo,
immer Polo
!

Josef Rieder ist erst 32 Jahre alt und hat dennoch schon eine stattliche Sammlung an Polo Modellen, die zum Teil deutlich älter sind als er selbst. Einer seiner Lieblinge ist der Einser-Polo von 1976. 

Text Guido Gluschitsch  
Fotos Erich Reismann 
Wie Scheunenfund auf Hochglanz poliert, präsentiert sich der quietschgelbe Polo von Josef Rieder in einer Halle in Niederösterreich.

Als Josef Rieder das Licht der Welt zum ersten Mal erblickte, war sein gelber Polo bereits sieben Jahre alt. 1976 wurde der Volkswagen erstmals zugelassen – ein Jahr, nachdem der Polo auf den Markt gekommen war. Der Polo war ein günstigerer Audi 50, der jene VW Kunden anziehen sollte, denen der Golf eine Nummer zu groß war, die aber mindestens so lässig sein wollten wie die ersten Golf Piloten. 

Keine 700 Kilogramm schwer, kam der Polo mit einem 40 PS starken 0,9-Liter-Motor aus. Klar, VW sparte beim Polo damals, wo es sinnvoll oder praktisch war. In der Basisausstattung suchte man auf der Beifahrerseite Komfortfeatures wie einen Schließzylinder, eine Sonnenblende oder einen Haltegriff über der Tür vergebens. 

Eine Rarität.

Ganz anders schaut die Sache beim Polo von Josef Rieder aus. Der gelbe Einser-Polo hat sogar Ausstellfenster. Eine Rarität beim ersten Polo. Und, ehrlich gestanden, sind sie auch nicht original, sondern um teures Geld nachgerüstet worden. Rund 600 Euro zahlte der Horner Karosserieschlosser für die kleinen Fenster. „Ein Freund bot mir den Polo an“, erzählt Josef Rieder, „ich habe mir den Wagen angeschaut, und weil er in sehr gutem Zustand war, habe ich ihn auch gleich gekauft.

Er hat heute noch zum Teil den Erstlack und er ist ungeschweißt. Die Ausstattung ist nicht mehr original, aber ich kann ihn an einem verlängerten Wochenende wieder in den Originalzustand versetzen. Das war mir immer wichtig.“ Mit Chrom hat Josef Rieder nicht gespart, das Lenkrad aus Aluminium hat er selbst gebaut und vernäht. Der Polo trägt Pirellifelgen, die Kunststoffdeckel mussten aber Aluteilen weichen, die Josef Rieder selbst gefertigt hat. „Der Polo hat ein Koni-Fahrwerk, ein Fadenkreuz im Scheinwerfer und Sitze von Recaro mit dem gelben Schottenkaro“,

erklärt uns der Niederösterreicher stolz. Sein erstes Auto, 1998, war ein Polo. Das Fahrzeug besitzt er heute noch. Und die damals aufkeimende Faszination ließ ihn von da an nie mehr los, machte ihn zum Sammler. Heute nennt er gut zwanzig Autos sein Eigen, vom G40 bis zum Cup-Polo, vom Audi 50 bis zum Derby, vom Einser-Polo bis zum Treser-Cabrio. „Golf Fahrer gibt es genug, Polo Fahrer sind seltener“, erzählt er, an die Bar gelehnt, von den diversen VW Club-Veranstaltungen, die er besucht.

Der gelbe Polo ist nur einer von vielen, die Josef Rieder hat, aber einer seiner liebsten.

» Ein Hobby muss Geld kosten. « 

Josef Rieder

 

6N GTI

Natürlich treffen wir Josef Rieder nicht in einem x-beliebigen Kaffeehaus in Horn. Zu einer Tankstelle hat er uns bestellt, dort erzählt er uns von technischen Details diverser Polo, schwärmt von der Kompressoraufladung seines G40, weiß aber auch um die Tücken der verschiedenen Modelle und deren Motoren. Mit Josef Rieder zu sprechen ist, als würde man in einem Polo Almanach nachschlagen.

 

Man muss höllisch aufpassen, dass er einen mit seiner Begeisterung nicht allzu sehr mitreißt. Denn verkaufen, nein, das ist kein Thema für ihn. Eher würde er kaufen. Seine Sammlung erweitern. „Würde ich einen 6N GTI in einem respektablen Zustand finden, dann würde ich schon über einen Kauf nachdenken“, gibt er zu. „Mit Einsern, Zweiern und Dreiern bin ich gut ausgestattet, da wird nichts mehr dazugekauft“, sagt er mit Stolz, aber auch einer gewissen Trauer in der Stimme, so dass man in der Sekunde weiß, dass diese Aussage unter Umständen nicht viel mehr wert ist als ein Neujahrsvorsatz, der am Heiligedreikönigstag wieder vergessen ist. 

Das gelbe Schottenkaro fällt sofort ins Auge. Nur der Kenner aber weiß, wie besonders die Ausstellfenster beim ersten Polo sind.

40 Jahre Polo

Obwohl, „das Finanzielle ist schon so ein Punkt“, sagt der charmante Horner, „wenn man so viele Autos angekauft hat.“ „Ich fliege nicht übermäßig oft auf Urlaub, lebe nicht großartig im Luxus.“ Er investiert eben nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld in seinen Fuhrpark, nimmt die Aufwendungen aber recht locker, wenn er sagt: „Ein Hobby muss Geld kosten, sonst wäre es kein Hobby.“

 

Seine neueste Errungenschaft ist zu unserer Überraschung aber gar kein Polo, sondern ein Caddy. Der löst seit wenigen Monaten den 1990er Polo als Alltagsauto ab. Für Josef Rieder war das eine einfache Kaufentscheidung: „Weil ich viele Polo Teile zu transportieren habe und meine Polo oft mit dem Anhänger ziehe, ist der Caddy mit seinem großen Laderaum und der hohen Anhängerlast für mich ideal.“ So wird er auch zwei seiner Schätze auf die Oldtimer-Messe in Tulln transportieren. Und zu einer der zahlreichen „40 Jahre Polo“-Feiern in Deutschland, die er mit seinen VW Freunden besuchen wird. 

Da schaut er, der neue Polo GTI, neidisch auf die handgemachten Zierkappen des Ur-Polo.