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siemafuffzig engeln

Mit dem neuen Passat machen wir im Gasthaus zur Dankbarkeit Rast. Es gibt herrlichen Fisch, begleitet von der packenden Historie eines wunderschönen Hauses und einem Auto, das zu Recht Car of the Year wurde.  

Text Guido Gluschitsch 
Fotos Erich Reismann 
Der seriöse Blick des neuen Passat wird vom Strahlen der LEDs gekrönt.

Das Burgenland liegt zum Winter-ende ein wenig überwuzelt da. Ausgeschlafen, aber noch nicht aufgestanden. Wie man es sich vorstellt, an einem Sonntagvormittag. An der kleinen Kreuzung auf der ewig langen, geraden Landstraße warten zwei Zivile auf Kundschaft, der man schon Weitem ansieht, dass sie „vun gestan überbleiben ist“. Über die unendliche Weite, die sich am Ostufer des Neusiedlersees ausbreitet, sieht man kilometerweit. Nur die Luftfeuchtigkeit verschmiert mit zunehmender Entfernung der Objekte ebendiese bis zur grauen Unkenntlichkeit. Die Rebstöcke stehen zu beiden Seiten der Straße unserem Passat Spalier, der sich mit seinen 240 PS aus dem 2,0 Liter großen Turbodiesel und mit der sportlich-eleganten Front seinen Weg bahnt. Es ist Sonntag und wir sitzen in der Business Class. 

Gasthaus zur Dankbarkeit

Hauptstraße 39
7141 Podersdorf/See
www.dankbarkeit.at
office@dankbarkeit.at
+43 (0)2177/22 23 

Das Doppelkupplungsgetriebe sortiert uns die Gänge. Die Ledersitze schmeicheln uns mit dem Duft eines Neuwagens und das Fahrwerk filtert im Komfortmodus Bodenwellen und Stöße galant weg. Wir begannen den Tag engagiert, stachen im Sportmodus durch den Seewinkel. Nun sind wir froh, auch wegen der schönen Landschaft, doch noch zur Ruhe gekommen zu sein. Über einen Knopfdruck machten wir den Sport Passat, dem die beiden Zivilen sicher ihre ungeteilte Aufmerksamkeit hätten zukommen lassen, zu einer Oberklasse-Limousine und programmierten unser heutiges Ziel ins Navi: Podersdorf. Dort, im Gasthaus zur Dankbarkeit, haben wir einen Tisch reserviert. Den Status des Geheimtipps hat das Lokal zumindest im Osten Österreichs schon vor Jahren verloren. Die Gäste, die im Sommer am Neusiedlersee urlaubten und hier vorbeikamen, verbreiteten den Ruf auch in andere Gegenden. 

»Ich setze meinen Gästen vor, was ich für richtig finde.« 

Josef Lentsch 
Wem die Wahl bei den Nachspeisen schwer fällt, bestellt einfach alle.

Fisch und Fleisch.

Vor allem für die Fischgerichte, aber auch für sein Gulasch ist das Gasthaus zur Dankbarkeit bekannt. „Die Fischsuppe, der Wels und der Zander gehören zu unseren Spezialitäten“, sagt Wirt Josef Lentsch, der gerade die Tagesempfehlung, eine geschmorte Lammstelze, auf die Tafel bei der Theke schreibt. Links vom Eingang sitzen ein paar Einheimische am Tisch. Sie spielen Karten, trinken ein Glas Wein. Rechts von der Tür hängt ein großes Ostbahn-Kurti-Plakat. Oben am Bord, zwischen all den Weinflaschen, eine Bouteille Ostbahn-Zweigelt-Cuvée. Auf der letzten Seite der Speisekarte finden wir folgende Zeilen: „De Typn san a Wahnsinn / Voi do und voi diskret / Du siachst und riachst und heast es ned / Und se kumman da a nie irgendwie auf bled“. 

„57 Engeln“, ein Text von Günter Brödl, den Willi Resetarits alias Kurt Ostbahn einst in die Welt getragen hat. Petrolheads wie wir denken bei 57 Engeln zuerst an die Assistenz- und Komfortsysteme im neuen Passat. Am beeindruckendsten ist da bestimmt das volldigitale Cockpit.

Der Passat spielt aber auch alle Stückerln, was die Sicherheit angeht, und zwar ohne einen dabei zu bevormunden. Doch auf den Passat spielt Josef Lentsch in seiner Karte sicher nicht an und wir fragen ihn nach dem Grund für die Ostbahndichte in seinem Gasthaus. „Er ist einer meiner zwei Seelentherapeuten. Der andere ist der heilige Franziskus“, sagt Josef Lentsch. Am Revers seines Sakkos steckt ein Tau – Symbol für Franz von Assisi und damit für die christlich-franziskanische Lebensausrichtung.  

Am liebsten serviert Josef Lentsch Fisch aus dem Neusiedlersee.

Jiddische Hühnerpastete.

Gekreuzte Schwerter an einer Wand im ersten Speisesaal und ein Hufeisen sind weitere Symbole, auf die man im Gasthaus zur Dankbarkeit immer wieder trifft. Sie erzählen die Geschichte des Hauses, erklärt uns Josef Lentsch, der sich zu uns an den Tisch gesetzt hat, während wir den Gruß aus der Küche, die jiddische Hühnerleberpastete und eine Wurst vom Steppenrind, genießen. 
„Vom 13. Jahrhundert bis 1852 war das Haus ein Wirtschaftshof der Zisterziensermönche. Danach hat es ein preußischer Graf, dem man nachsagte, seine Pferde mit silbernen Hufeisen zu beschlagen, bewohnt, bevor es in die Hände von Podersdorfern kam. Mein Großvater hat das vordere Haus 1934 gekauft und hier das Gasthaus zur Dankbarkeit eröffnet.“ 

»Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn die Einheimischen nicht zu uns kommen würden.« 

Josef Lentsch 

Zur Dankbarkeit.

Wofür er selbst dankbar ist, wollen wir wissen. „Für die Familie. Die rügt einen, wenn es sein muss, hält einem aber auch den Rücken frei“, sagt Josef Lentsch. Mit seinem Sohn führt er das Gasthaus. Die jüngere Tochter hat eine Weinbauausbildung abgeschlossen und nimmt sich des familieneigenen Weinbaus wie des Heurigen an, der gleich im Nebengebäude untergebracht ist. Dort arbeitet die ältere Tochter in der Küche und wird künftig auch die Gästezimmer betreuen, die gerade errichtet werden. Josef Lentsch selbst steht nicht mehr in der Küche. „Ich könnte das nicht so gut wie Küchenchef Josef Roiss“, sagt er äußerst bescheiden. Und Roiss kocht, wie es im Haus inzwischen Tradition ist – mit Produkten aus der Region. „Ich setze meinen Gästen vor, was ich für richtig finde“, erklärt Josef Lentsch, „meine Eltern haben immer darauf geachtet, mit guter Ware zu arbeiten.“ Sie bezogen den Fisch von den Fischern am See, die Hendln von den Nachbarn. „So entstand der Bezug zur Region und die Liebe zu den bodenständigen Produkten“, ist Josef Lentsch überzeugt.

Somlauer Nockerln.

Eine Bodenständigkeit, die weit über die Region hinaus beliebt ist. Während wir uns bereits durch Somlauer Nockerln und Parfait naschen, nimmt am Nebentisch eine recht bekannte und gut betuchte Familie aus Wien Platz. Sie bestellt die Fischsuppe und den Zander. Wir wissen inzwischen, sie tut gut mit dieser Wahl. Josef Lentsch behandelt sie ebenso zuvorkommend wie die Kartendippler aus dem Ort und das ältere Paar, das wohl ebenfalls aus Podersdorf kommt und einen Tisch weiter Platz genommen hat. „Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn die Einheimischen nicht zu uns kommen würden“, erzählt uns Josef Lentsch. Draußen wird es langsam Nachmittag.

Das Burgenland hat sich in den letzten Stunden nicht verändert. Unser Blick auf die Welt wohl. Wieder im Passat, durchsuchen wir den MP3-Player, werden fündig, und als die Ortstafel von Podersdorf das Ende der Gemeinde ankündigt, das Gaspedal sanft die Bodenplatte küsst, hören wir Willi Resetarits über die 57 Engel singen: „Und se schaun drauf, dass i drauf schau / Wos gscheida und gsünda fia mi is / A volles Konto und a Haus volla foische Freind / Oda a Herz wos hingehat mit a poa Narbn und Riss.“

Während wir uns auf den Heimweg machen, wird am Stammtisch nicht nur der Wein besprochen.

Der Passat in Zahlen

(unser Testfahrzeug) 

Motorisierung:
2.0 l TDI 176 kW/240 PS SCR 4MOTION
Getriebe:
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG
Verbrauch (kombiniert):
5,4 l/100 km
CO₂-Emission (kombiniert):
140 g/km
Beschleunigung (von 0 auf 100):
7,4 sek
Höchstgeschwindigkeit (176 kW/240 PS TDI BiTurbo):
238 km/h
Ausstattungshighlights:
Navigationssystem „Discover Pro“,
Active Info Display, Anhängerrangierassistent „Trailer Assist“, MirrorLink inkl. Media Control, Rückfahrkamera „Rear View“, R-Line Sportpaket, Leichtmetallräder „Verona“ 8 J x 19