Volkswagen Magazin

BESSER LEBEN

»Frauen parken
viel präziser ein.«

Der Anteil weiblicher Fahrzeughalter steigt. Was ist ihnen beim Autokauf wichtig. Welche Klischees über fahrende Frauen stimmen – und welche nicht? Wir befragen echte Expertinnen.

Interview Ina Brzoska
Illustrationen C3 Visual Lab
Fotos Max Lautenschläger

Fakt 1

Frauen parken präziser ein als Männer. Im Schnitt brauchen diese zwar nur 16 Sekunden, um ihren Wagen in die Parklücke zu stellen. Frauen benötigen fünf Sekunden länger – aber dafür steht das Auto dann auch so, wie es sich gehört. Während über die Hälfte der Frauen ihr Auto korrekt parkte, standen die Fahrzeuge der Männer zu 75 Prozent schief in der Parklücke.

Frau Kortus-Schultes, das Unvermeidliche lieber gleich zu Beginn: Stimmt es, dass Frauen schlechter einparken als Männer?
Nein, das stimmt nicht. Neue Studien haben sogar gezeigt, dass Frauen viel präziser einparken. Im Schnitt brauchen sie zwar fünf Sekunden länger, dafür stehen sie aber besser in der Parklücke.

Liegt das daran, dass sie mehr Autos mit Einpark-Assistenten besitzen?
Nein. Männer finden Einpark-Assistenten genauso gut, grundsätzlich interessieren sie sich für Assistenzsysteme noch ein bisschen mehr, weil sie sehr technikverliebt sind. Aber mal ehrlich, Einpark-Assistenten sind doch toll. Man kommt sehr sicher in viel kleinere Parklücken rein. 

Und wie steht’s um das zweite weitverbreitete Image, dass Frauen kleine rosa Autos mit Kugellichtern bevorzugen?
Auch das ist ein Klischee. Die Ansprüche gut verdienender Karrierefrauen sind gar nicht so viel anders als die der Männer. Sie wollen auch große, gut motorisierte Autos, die sie sicher von A nach B bringen.

Expertin.

Prof. Doris Kortus-Schultes initiierte die Gründung des Kompetenzzentrums an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Ausschlaggebend war der Austausch mit Autohändlern, die spannende Details über weibliche Fahrzeughalter aus dem Alltag zu berichten wussten.

Studien Seit der Gründung wurden über 7.000 Autofahrerinnen und Autofahrer zu ihren besonderen Ansprüchen an ihr Fahrzeug und ihren Lebensumständen befragt.

Trotzdem zeigen aktuelle Statistiken, dass Frauen tendenziell kleinere Autos fahren. Woran liegt das?
Das liegt daran, dass sie im Schnitt 22 Prozent weniger verdienen. Dieser Pay Gap führt dazu, dass Frauen mehr Wert auf einen geringen Verbrauch legen, weil das Tankgeld ein Loch in ihre Haushaltskasse reißt. Bei Männern wird das Auto außerdem öfter vom Arbeitgeber finanziert.

Welche Fahrzeuge kaufen Frauen am liebsten?
Auf den ersten Plätzen rangieren zwei Volkswagen. Der absolute Liebling ist der Golf, danach kommt der Polo. Frauen schätzen die Zuverlässigkeit dieser Marke, sie wollen vermeiden, dass übermäßig viele und teure Reparaturen auf sie zukommen.

Männer nicht?
Doch, Männer auch. Aber für Frauen ist das Thema noch wichtiger, weil sie Autos im Schnitt doppelt so lange fahren wie Männer. Rund acht Jahre. Das heißt, sie müssen sich darauf verlassen können, dass der Wagen läuft, obwohl er schon viele Kilometer gefahren ist.

Fakt 2

Der Schminkspiegel. Die britische Rennfahrerin Dorothy Levitt war die Ideengeberin für den Rückspiegel im Auto. Die Dame hielt während der Fahrt ihren Schminkspiegel bereit, aber nicht, um sich den Lippenstift nachzuziehen, sondern um den Verkehr hinter sich zu beobachten. Autohersteller inspirierte Dorothy Levitt zur Konstruktion eines Rückspiegels, der am Auto heute nicht mehr wegzudenken ist.

»Ich achte sehr auf Reifen. Mir gefallen dezent gehaltene Chrom-Felgen.«

Carole Delavoye, leitende Angestellte in der Technischen Entwicklung bei der Firma Sitech

Sie haben in aufwendigen Erhebungen mehrere Tausend Männer und Frauen zu ihren Ansprüchen befragt. Was hat Sie am meisten überrascht?
Die Vorbereitung auf den Autokauf. Männer planen diese Anschaffung im Schnitt zwei Jahre. Sie informieren sich vor allem im Internet und sammeln unglaublich viele technische Daten. Männer lieben es, sich im Car Configurator ihr Wunschauto zusammenzustellen. Ein halbes Jahr vor dem Kauf gehen sie in ein Autohaus, gut vorbereitet, um einen möglichst guten Deal zu machen. Die meisten Frauen gehen da ganz anders heran.

Wie gehen denn Frauen vor? Fragen sie den Mann?
Die erste Recherche findet statt, indem Frauen sich beim Partner oder im Familien- und Freundeskreis umhören. Das Rührende ist dabei, dass Männer ihr Wissen sehr gerne bei diesem Thema weitergeben und die Frauen beraten. Da gibt es auch schon mal Frust, wenn der Mann sagt, so ein kleines hübsches Auto wäre doch genau das Richtige. Da sagt sich die eine oder andere Frau, die beruflich so richtig durchgestartet ist, heute: Nein, da hast du mich falsch eingeschätzt. Jetzt will ich mal kein kleines Auto, lieber so ein mittleres.

Fakt 3

Frauen sind bei der Auswahl der Farben eines Wagens experimentierfreudiger. Der Mann wählt einen Ton, der beim Weiterverkauf möglichst viel Geld einbringen wird. Die liebste Farbe von Frauen ist Rot, die der Männer ist Schwarz.

Fakt 4

Frauen lieben helle Sitzbezüge, die leicht zu reinigen sind. Männer bevorzugen schwarze Ledersitze.

Wie reagieren Autohändler auf Frauen?
Ein gut geschulter Autohändler weiß heute, dass die Mehrheit der Frauen sich auch im Autohaus beraten lassen will. So wie sie nach neuer Mode oder Kosmetik schauen, lassen sie sich inspirieren, was es so gibt und wie die unterschiedlichen Modelle zum Alter passen. Im Austausch mit dem Autohändler plaudern sie über ihre Lebensphase und suchen nach dem passenden Wagen für ihre Bedürfnisse. Der Hund oder das Surfbrett muss ins Auto passen, die Kinder und deren Freunde müssen chauffiert werden, der Beifahrersitz muss höhenverstellbar sein, damit die Oma gut ein- und aussteigen kann. All diese Dinge wollen Frauen berücksichtigen.

»Der Sound des Motors ist wichtig. Er sollte voll, aber nicht künstlich klingen.«

Stella Köhler, leitende Angestellte im Personalwesen bei Volkswagen

Fakt 5

Frauen wünschen sich eine fahrende Kommunikationszentrale. Sie möchten die Zeit im Auto dafür nutzen, mit der Familie zu telefonieren. Außerdem lieben sie es, während der Fahrt über soziale Netzwerke wie Facebook mit Freunden Kontakt zu halten.

Frauen haben also nutzwertigere Ansprüche an das Auto als Männer?
In der Familienphase auf jeden Fall. Da geht es darum, wie viel Platz der Kofferraum bietet, ob die Sitzpolster leicht zu reinigen sind. Für Männer ist das Auto im Vergleich noch eher ein Statussymbol. Eine starke Motorisierung und viele PS sind wichtig. Das zeigt sich im Autohaus auch daran, dass Männer immer die Motorhaube aufmachen wollen, obwohl man da heute eigentlich nichts mehr sieht. 

Und was ist das Ritual der Frauen?
In haptischer Freude erfühlen sie das Material der Sitze, umfassen das Lenkrad, streichen über das Armaturenbrett. Sie schauen auch, ob die Innenausstattung zum Exterieur passt. Frauen sehen mehr Farben als Männer, deswegen sind sie diesbezüglich experimentierfreudiger. Sie werden beispielsweise mehr Frauen als Männer sehen, die helle Bezüge im Auto haben. Bei Männern ist es eher so, dass sie die Farbe nach dem Wiederverkaufswert aussuchen. Ich sage immer, sie wählen die Farbe, in der sie auch den Herrenanzug kaufen.

Man sieht immer mehr Frauen in Geländewagen. Woher kommt eigentlich die weibliche Vorliebe für SUVs?
Ja, das haben wir uns auch gefragt. Das ist etwas, das alle überrascht hat, denn Allradantrieb, Größe und Antriebstechnologie sind Attribute, die klassischerweise Männer überzeugen. Frauen entscheiden sich für solch ein Auto aus anderen Gründen. Sie lieben den Überblick, den Platz auf der Rückbank, im SUV fühlen sie sich sicher. Aber sie bevorzugen die kleineren SUVs, die Kompakt-SUVs. Der Tiguan ist beispielsweise ein Auto, das bei Frauen besonders gut ankommt.

Welche Rolle spielt eine hohe PS-Zahl für Frauen?
Da zitiere ich gerne das Kraftfahrt-Bundesamt. Was Geschwindigkeitsübertretungen angeht, holen Frauen auf. Uns wurde aus allen Altersklassen bestätigt, dass auch Frauen gerne zügig überholen.

»Ich liebe mein schwarzes Eos Cabrio. Das Hartschalendach versenkt sich per Knopfdruck im Kofferrraum und der Baggy passt trotzdem rein.«

Blanca Zahn, Sachbearbeiterin im Marketing bei Volkswagen

Sie haben vor Kurzem gesagt, dass Frauen sich eine fahrende Kommunikationszentrale wünschen. Was meinen Sie damit?
Ja, das gilt vor allem für die jüngeren Frauen. Sie sind „always on“, sage ich immer. Sie nutzen Facebook oder WhatsApp und wünschen sich auch im Auto den Zugriff auf E-Mails, SMS oder die eigene Musik-Playlist des Smartphones. Mütter möchten im Auto am liebsten via Kamera sehen, was zu Hause abläuft.

Warum ist das Thema Connectivity für Frauen so wichtig?

Weil wir die sozialeren Wesen sind und mehr multitasken. Frauen scheinen mehrere Spuren im Gehirn ständig aktiv zu haben. Sie denken während der Autofahrt daran, ob die Kinder zu Hause die Schulaufgaben machen, sie fragen sich, wie es der Oma geht, wollen sich im Auto mit der Freundin austauschen oder verabreden. In einem voll vernetzten Auto lässt sich das während der Fahrt alles gut organisieren.

Fakt 6

Eine niedrige Ladekante am Kofferraum und Ordnungsmöglichkeiten im Stauraum punkten bei weiblichen Fahrzeughaltern. Wichtig sind vor allem viele Fächer und Ablagen.

Fakt 7

Frauen wünschen sich einen höhenverstellbaren Sitz. Ihnen geht es um die bessere Rundumsicht, die ihnen Sicherheit gibt.

Sie sind von Haus aus Betriebswirtin. Wie kamen Sie dazu, sich auf das Forschungsgebiet Frauen und Autos zu spezialisieren?
Autohändler haben mir viel über Ansprüche und Vorlieben von Frauen berichtet. Ich fand das sehr interessant, zumal der Anteil weiblicher Fahrzeughalter steigt, inzwischen liegt er bei fast 40 Prozent. Das Thema scheint auch Frauen selbst sehr zu interessieren. Schon bei den ersten quantitativen Erhebungen haben wir ein unglaublich reges Interesse wahrgenommen. Viele haben sich gefreut, zu diesem Thema auch endlich einmal etwas sagen zu dürfen.

Welche Autos fahren eigentlich erfolgreiche ältere Frauen, die die Familienphase hinter sich haben?
Da bin ich das beste Beispiel. Viele Jahre habe ich meine zwei Söhne in einem großen Kombi durch die Gegend gefahren. Ich mochte den Kombi sehr, aber als ich mir ein neues Auto kaufen wollte, habe ich alle Ratschläge der Herren ignoriert. Ich habe jetzt ein sogenanntes ME-Car, ein Auto nur für mich. Es ist ein gut motorisierter Zweisitzer, ein Cabrio.

»Ein Auto muss gut in der Hand liegen und die richtigen Maße besitzen. Mein Favorit ist derzeit der Golf GTI Cabrio. Ich habe ihn mir in Rot ausgesucht.«

Dr. Maresa Wischenbart-Backhaus, leitende Angestellte im Rechtswesen bei Volkswagen

Hard Facts.

14,6

Millionen Pkw im Privatkundensegment haben eine Frau als Halterin. Es ist eine Zahl, die künftig weiter zunehmen wird, denn inzwischen machen genauso viele Frauen wie Männer einen Führerschein.

56 Prozent aller Kleinstwagen haben nach wie vor weibliche Halter – was rund 1,16 Millionen Pkw entspricht.

Liebling Golf.

1,32 Millionen Frauen fahren Golf. Damit ist er mit Abstand das beliebteste Auto bei Frauen. Auf Platz zwei folgt mit deutlichem Abstand der Polo, den insgesamt 800.000 Frauen fahren. Fahrzeuge von Volkswagen werden übrigens am häufigsten von Frauen weiterempfohlen.

542.000

Über eine halbe Million Frauen fahren SUV. Aber auch hier bevorzugen sie die kleineren und eleganten Modelle. Zu den beliebtesten Modellen weiblicher Fahrzeughalter zählt beispielsweise der Tiguan.

Harmlose Verkehrssünder.

Im Gegensatz zu Männern verursachen Frauen weniger schwere Unfälle. Weibliche Fahrzeughalter sind eher in kleinere Unfälle in der Stadt verwickelt – Männer häufiger in größere Crashs auf Autobahnen.

40 Prozent aller neu zugelassenen Micro-Vans haben eine Frau als Halter. Der Touran steht in der Hitliste der Kompakt-Vans an erster Stelle.